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Risk & Regulatory

AnaCredit treibt den Paradigmenwechsel im Meldewesen voran

Der EZB-Grundsatzbeschluss zum Aufbau eines zentralen Kreditregisters für den gesamten Euroraum führt spätestens 2017 zu weitreichenden Veränderungen im Meldewesen. Das Analytical Credit Dataset – kurz AnaCredit – ist ein Meilenstein bei der Transformation des regulatorischen Berichtswesens hin zu einem länderübergreifenden European Reporting Framework.

Mit AnaCredit verfolgt die Finanzaufsicht das Ziel, vermehrt feingranulare Kreditinformationen zu erheben, die sie selbstständig aggregieren und analysieren kann. Nach der Einführung der Wertpapierhalterstatistik und der Geldmarktstatistik ist der Aufbau von AnaCredit ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Banken sind künftig gefordert, eine Kreditmeldung gemäß des Loan-by-Loan-Ansatzes auf Basis von einzelnen Kreditnehmern und von Einzelkrediten abzugeben, sofern der Schwellenwert überschritten wird. Allerdings ist das Gesamtvorhaben, ein weitgehend vollständiges Kreditregister für den Euroraum aufzubauen, nur auf längere Sicht umsetzbar. Es wird sich daher in mehrere Stufen gliedern.

 

Steigende Attributzahl, sinkender Meldeschwellenwert

Die erste AnaCredit-Stufe betrifft nur Kredite an juristische Personen. Gegenüber ursprünglichen Planungen wurde der Umfang der zu meldenden Kreditdaten in der Verordnung vom 18. Mai 2016 aus pragmatischen Gründen an verschiedenen Stellen reduziert. Gleichwohl: Mit 24 Datenattributen zu Kreditnehmern und 64 weiteren zu Kreditgeschäften müssen Banken schon in dieser Phase deutlich mehr Informationen bereitstellen als im Rahmen der bisherigen kreditbezogenen Meldungen. Auch die Meldeschwelle pro Kreditnehmer von 25.000 Euro ist erheblich niedriger als gemäß BCBS 283 und von der nationalen Millionenkreditverordnung gefordert. Insgesamt ergibt sich aufgrund der steigenden Attributanzahl und der größeren Menge an Datensätzen sowohl in der Breite als auch in der Tiefe ein hochgranularer Datenbestand, der von Kreditinstituten künftig bereitzustellen ist.

 

Handlungsbedarf für Banken wächst zukünftig noch

Zunächst muss institutsspezifisch geprüft werden, welche Lücken bei der Erhebung der Informationen bzw. ihrer Abbildung in den IT-Verfahren bestehen, um sie vollständig und geeignet verfügbar zu machen. Zudem sollte dabei auch die Integration dieser Daten in einen homogenen AnaCredit-Datenhaushalt sowohl fachlich als auch technisch und prozessual mit strategischem Weitblick vorgenommen werden. Denn in den laufenden Planungen für die künftigen Ausbaustufen von AnaCredit zeichnen sich schon heute gravierende Zusatzanforderungen ab. So dürfte sich der Umfang der zu meldenden Kreditdaten in den kommenden Jahren noch einmal deutlich vergrößern, da

  • nicht nur Instrumente wie Buchkredite oder eigene Einlagen in die Meldungen einfließen werden, sondern beispielsweise auch Derivate, außerbilanzielle Geschäfte sowie grundsätzlich alle Instrumente, durch die ein Schuldverhältnis begründet wird
  • anders als in Stufe 1 auch Engagements mit natürlichen Personen meldepflichtig werden
  • die weitere Absenkung der Meldeschwelle bereits zur Diskussion stand.

Und noch ein Aspekt darf nicht übersehen werden: Sobald nicht nur statistische Zwecke, sondern auch die der Bankenaufsicht mit AnaCredit verfolgt werden, wachsen in Banken die Anforderungen an die Verfügbarkeit der Daten, während gleichzeitig zusätzliche Konsolidierungen im Konzernverbund notwendig werden – ein Spagat in den Meldewesenprozessen.

 

Strategischer Weitblick zahlt sich aus

Die wenigsten Institute verfügen bereits heute über einen Datenpool, aus dem sich ein derart umfangreiches Informationspaket homogen, zeitnah und aufwandsarm in der geforderten Granularität auslesen ließe. Die Architekturkonzeption dafür sollte indessen nicht nur die schon heute absehbaren Anforderungen im Umfeld von AnaCredit berücksichtigen, sondern auch die Herausforderungen, die der Paradigmenwechsel im Meldewesen in Zukunft mit sich bringen wird. Der Lohn dieser Mühe ist auf lange Sicht ein signifikanter Effizienzanstieg bei der Datenbereitstellung, ein Hinzugewinn an analytischem Potenzial auch für die Meldepflichtigen selbst sowie neue Geschäftsoptionen, die sich mit dem Aufbau von Feedback Loops ergeben.

 

Erfahren & kompetent: ein Partner auf Augenhöhe

Wir unterstützen Sie gern bei diesem Aufbruch in die Zukunft des European Reporting Framework – von der Strategie über alle Umsetzungsphasen bis hin zur technischen Implementierung. Unsere Expertise deckt sämtliche Aspekte des klassischen Meldewesens ab. Zudem profitieren Sie bei uns von den Erfahrungen aus einer Vielzahl erfolgreicher Projekte zur Anpassung von Kreditprozessen. Nicht zuletzt sind wir ein Dienstleister, der Ihnen komplementär dazu auch hochkarätiges IT-Consulting sowie Know-how rund um Datenmanagement und Implementierung anbieten kann.

 

Nachgefragt!

Lesen Sie in unserem Nachgefragt! Interview „AnaCredit kommt: Auf Finanzinstitute rollt eine regulatorische Anforderungswelle im Kredit-Reporting zu" welche Auswirkungen AnaCredit auf deutsche Kreditinstitute hat.

Zum Interview AnaCredit kommt

 

Herausforderungen durch AnaCredit

AnaCredit –  Das Analytical Credit Dataset der EZB

Der Paradigmenwechsel in der europäischen Finanzaufsicht hat für Sie die Konsequenz, dass Sie in Zukunft vermehrt granulare Einzeldaten melden müssen.

Laden Sie sich hier das Bluepoint zu diesem Thema herunter

 

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Ludger Seiling

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