Aus dem Blockchain-Lab: Banken beim Steuer-Reporting entlasten

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05. April 2019

Insight Banking Steuern BlockchainSelbst eine revolutionäre Technologie wie Blockchain muss sich an betriebswirtschaftlichen Mehrwerten messen lassen. Unsere Experten haben sich diesen Anspruch zu Herzen genommen. Herausgekommen ist ein Anwendungsszenario, das Banken beim Berechnen und Reporting von Kapitalerträgen deutlich entlasten kann.

Heute berechnen Banken Einkünfte aus Kapitalvermögen und stellen die korrekte Besteuerung sicher. Die Berechnung ist ein komplexer Vorgang, weil Nichtveranlagungsbescheinigungen (NVB) geprüft und über verschiedene Banken verteilte Freistellungsaufträge (FSA) berücksichtigt werden. Dazu kommen mögliche anrechenbare ausländische Quellensteuern sowie die kundenindividuelle Kirchensteuer.

Banken müssen für diese Aufgabe riesige Mengen an Informationen ermitteln, auswerten und unter Berücksichtigung sogenannter Verrechnungstöpfe verarbeiten. Die wiederum sind auch für andere Beteiligte im Steuerberechnungsprozess relevant. So wird zum Beispiel die maximale Ausnutzung von Freistellungsaufträgen bei den Steuerbehörden ebenso überwacht wie die Gründe für die Erteilung von NVB.

Insight Banking Blockchain Kapitalertragssteuer

Die Idee: Blockchain als „zentrale Plattform“

Banken würden Pflichtaufgaben, wie das Reporting zu Freistellungsauftrag- und Verlusttopf­ausnutzung, gerne loswerden oder zumindest effizienter gestalten. Ein großer Schritt in Richtung Verfahrensvereinfachung und Beseitigung von Verfahrensmängeln ist, den FSA und die NVBs sowie die Verrechnungstöpfe technisch verteilt, aber logisch zentral in einer privaten Blockchain zu speichern.

Banken und Steuerbehörden greifen auf diese Informationen zu, wobei genau definierte Zugriffs- und Leserechte durch ein Berechtigungsmanagement auf Basis des „Smart-Contract-Ansatzes“ geregelt wären.

Der Mehrwert: Jeder hat die gleiche Sicht auf die Daten

Steuerbehörden könnten so die konkreten FSA-Nutzungen selbst ermitteln, der Nachweis der Inanspruchnahme bei jeder Bank entfällt. Ähnliches gilt für Pflege und Meldung sogenannter Verlusttöpfe. Diese müssen Banken heute auf Kundenanforderung durch eine sogenannte Verlustbescheinigung steuerlich korrekt nachweisen und im Rahmen von Depotüberträgen an Drittinstitute übertragen. Die Finanzbehörden hätten direkten Zugriff auf all diese Informationen.

Ergebnis: massive Kosteneinsparungen und zufriedene Kunden

Mit solch einem verschlankten Katalog von Kontroll- und Nachweispflichten können Banken Kosten in Millionenhöhe einsparen. Dazu kommt das Plus an Service für die Bankkunden. Aufgrund der steuerlichen Korrektheit des Freistellungsauftrages in der Blockchain müssten weniger Steuerpflichtige eine Steuererklärung für Kapitalerträge abgeben, was in der Folge auch die Steuerbehörden entlastet.

Tipp: zunächst die Blockchain-Eignung feststellen

Wichtig ist, bei derartigen Anwendungsszenarien zu prüfen, ob die Blockchain-Technologie überhaupt der richtige Ansatz ist. Die Rahmenbedingungen für den Einsatz müssen erfüllt sein. Ein Quickcheck zu diesem Anwendungsfall zeigt:

  1. Es handelt sich um sensible Assets und Wirtschaftsgüter, die besonderen Schutz erfordern.
  2. Viele verteilte Beteiligte, die über verschiedene Kanäle und Schnittstellen miteinander im Austausch stehen (dezentrale Vernetzung), wollen auf die Assets zugreifen.
  3. Die Zahl an Daten und Transaktionen ist groß, aber nicht so groß, dass eine Überlastung der IT-Infrastrukturen droht.

Für die Entwicklung eines Prototyps müssen zunächst weitere Fragen zum konkreten Prozedere geklärt werden. Dennoch zeigt das Anwendungsbeispiel das Potenzial, das in der Digitalisierung und gleichzeitigen Reorganisation von Prozessen im Allgemeinen steckt - plus die speziellen Fähigkeiten der Blockchain-Technologie, Abläufe mit vielen Beteiligten zu vereinfachen.

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