4 Take-aways aus dem Branchenkompass Banking 2021

von Martin Stolberg - Division Partner Banking | Minuten Lesezeit

Das Jahresende ist die Zeit der Rückblicke. Wir bevorzugen die Ausblicke und blicken nach vorn auf die Bankenwelt der kommenden zwei Jahre. Sopra Steria hat zusammen mit dem F.A.Z.-Institut Entscheiderinnen und Entscheider von Banken zu ihren Geschäftsaussichten, Herausforderungen und Strategien bis 2023 befragt. Das Ergebnis sind 32 Seiten Branchenkompass Banking. Meine vier Take-aways aus der Studie möchte ich mit Ihnen teilen.

  1. Banken werden jetzt richtige Plattformökonomen

Die beiden zentralen positiven Botschaften dieser Studie sind für mich, dass Banken mehrheitlich die Spielregeln digitaler Plattformen angenommen haben und sich aus ihrem Produktkosmos in Richtung Kundenkosmos herausbewegen. Es gibt wichtigere Dinge als Finanzen im Leben der Kunden, und das Girokonto ist nicht der Fixstern, um den weitere Bankprodukte kreisen. Stattdessen klinken sich Banken mit digitalen Leistungen in die Prozess- und Wertschöpfungsketten von Unternehmen ein, und sie arbeiten mit Energieversorgern, Automobilherstellern und Online-Shops am Aufbau digitaler Ökosysteme – mit dem Kunden im Zentrum. Das sind gravierende und absolut notwenige Fortschritte im Mindset vieler Banken und Sparkassen. 

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  1. Banken stapeln bei der Nachhaltigkeit unnötig tief

Vergleichbare Fortschritte haben Banken beim Thema Nachhaltigkeit noch vor sich. Es ist der übliche Regulierungsreflex: Eine neue Vorschrift wie die EU-Taxonomie oder die EU-Offenlegungsverordnung taucht auf, und die Mehrheit rechnet sofort aus, was ein möglicher Klimastresstest kostet und wie viel Extraarbeitsstunden das Reporting und das Datenmanagement umfassen. Die Aufgaben für das Risikomanagement sind ohne Frage komplex und arbeitsintensiv. Mindestens genauso interessant ist allerdings, was eine Sustainable-Finance-Strategie an Erträgen bringen kann. 

Dass sich so wenige Banken als Speerspitze im Kampf um das Erreichen der Klimaziele sehen, ist nachvollziehbar. Die Branche möchte öffentlichen Druck von den eigenen Schultern nehmen. Tiefzustapeln, haben Banken allerdings nicht nötig. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit bietet endlich wieder eine neue Spielfläche, um das eigene Profil zu schärfen – wenn Institute es ernst meinen. Die Kreditkarte aus Holz allein macht noch keine grüne Bank. Dazu gehört, dass Banken Nachhaltigkeit in die gesamte Organisation hineintragen, von den KYC-Prozessen und dem Partnermanagement über Green Banking bis zur klimaneutralen Filiale.

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  1. Aus Banken werden irgendwann Fintechs in Groß

Banken werden zu einem Stück Software. Diese Prognose von 2017 aus unserem Haus liest sich vier Jahre später deutlich weniger fiktional. Die Institute sind zwar bei weitem noch keine Tech-Firmen mit Finanzexpertise, aber sie investieren auf breiter Linie in neue Technologien. Und sie nutzen sie peu à peu auch wertschöpfend.

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz kommt der Personalisierung der Produkte zugute und ebenso dem Risikomanagement und der Umsetzung von Compliance-Vorschriften. RPA sorgt immer häufiger dafür, dass Anfragen und Anträge digitalisiert bearbeitet und Fehlerquoten minimiert werden. Non-Fungible Tokens (NFT), ein digitaler Euro und Banking of Things sind für Banken relevante Geschäftsfelder. Und beim Ausloten des Potenzials und der Auswirkungen von Quantencomputern sind Finanzinstitute ebenfalls aktiv dabei – laut den Ergebnissen unserer Potenzialanalyse sogar weiter als andere Branchen. An all den Initiativen lässt sich erkennen, dass Banken Technologien nicht mehr nur als Hebel zum Kostensenken sehen, sondern sie als mindestens genauso wichtig für das Kundenerlebnis einschätzen.

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  1. Bankerinnen und Banker sind von Haus aus Optimisten 

Der Untertitel der Studie lautet deshalb nicht ohne Grund „Digitalisieren zugunsten der Kunden“. Dieses Bewusstsein wirkt stimmungsaufhellend, trotz Corona und der vielen Herausforderungen. Im Branchenkompass finden sich genug Gründe, den Kopf in den Sand zu stecken: Banken werden es mit wirtschaftlichen Long-Covid-Effekten wie Insolvenzen und Kreditausfällen zu tun bekommen. Die Bankenaufsicht wird nach Skandalen einiger schwarzer Schafe ihre Aktivitäten ausbauen. Das FISG ist ein erster Hinweis darauf. Neobanken bauen weiter Vertrauen bei Kunden auf, erweitern ihr Angebot und verschärfen damit den Wettbewerb. 

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Die äußeren Rahmenbedingungen können somit noch so schlecht sein: Die Branche bleibt dennoch zu einem beträchtlichen Teil zuversichtlich gestimmt – zumindest was den grundsätzlichen Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung angeht. 

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen genau diesen optimistischen Blick auf die Zukunft, dass Sie für Ihr Institut wertvolle Erkenntnisse aus der Lektüre der Studie ableiten und dass wir 2022 und darüber hinaus das eine oder andere Gespräch führen können.

 

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