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Bauprojekt Digitalisierung: Das Fundament ist gegossen

von Markus Schlosser - Business Unit Director Bund & Länder | Minuten Lesezeit

Die öffentliche Verwaltung befindet sich mitten im Umbau zu einer digitalen öffentlichen Verwaltung. Die Coronakrise hat für einen zusätzlichen Schub gesorgt. Bei zwei zentralen Gesetzen ist es Zeit für ein Zwischenfazit. Wo Bund, Länder und Kommunen stehen, welche Bauabschnitte schon fertig sind und wo es hakt, zeigt die Studie Branchenkompass Public Sector 2020.

Die bisherigen E-Government-Investitionen haben zu Verbesserungen geführt. Das sagen mehr als 70 Prozent der befragten Entscheider. Informationen sind besser zugänglich, und die Abläufe in den Verwaltungen haben sich beschleunigt. Beim Blick auf den Umsetzungsstand der beiden großen Digitalisierungsgesetze stechen aus unserer Sicht je vier Kernergebnisse hervor: 

Zwischenfazit E-Government-Gesetz 

  • Am weitesten sind Behörden und Ministerien bei der elektronischen Vergabe öffentlicher Aufträge. Kommunen sind insgesamt weiter als Bund und Länder. 

  • Das Thema Cybersicherheit hat flächendeckend Priorität. Bei diesem Thema sind Abstriche nicht erlaubt. 

  • Nachholbedarf gibt es bei Basisdiensten wie eID und Bezahlmöglichkeiten. Sie sind der Engpass. Nur mit ihnen wird digitale Verwaltung auch als solche wahrgenommen. 

  • Bei der Verarbeitung von E-Rechnungen drängt die Zeit: Das E-Rechnungs-Gesetz verlangt, dass Unternehmen ihre Rechnungen an öffentliche Auftraggeber ab November 2020 in digitaler Form stellen. Jede fünfte Behörde (22 Prozent) meldet Vollzug, 44 Prozent arbeiten an derartigen Lösungen.


Insight Public Sector Branchenkompass Grafik 01

 

OZG-Halbzeitbilanz 

  • Bei 16 Prozent der Behörden sind OZG-Leistungen umgesetzt oder weitgehend entwickelt.  

  • Wichtige Bausteine sind nicht komplett fertig. Dazu zählen elektronische Bescheide, eine rechtssichere und benutzerfreundliche Online-Identifizierung und Statusmeldungen, damit Bürger und Unternehmen zu laufenden Anträgen oder Verfahren stets informiert sind. 

  • Viele Behörden arbeiten an der Anbindung an den Portalverbund, jede zehnte Behörde meldet hier Vollzug. 

  • An die Umsetzung von EU-Anforderungen wie Once Only und Single Digital Gateway ist in vielen Behörden noch nicht zu denken.


Insight Public Sector Branchenkompass Grafik 02

 

Neue Denkweisen lassen sich nicht programmieren wie eine App 

Die Umsetzung des OZG kommt somit voran, aber langsamer als gedacht. Das liegt vor allem am schwer planbaren und nicht zu unterschätzenden kulturellen Wandel: Leistungen müssen aus Nutzersicht neu gedacht und dann digital in der Form angeboten werden, wie es Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen vom Interneteinkauf gewohnt sind. Dieser kulturelle Wandel braucht länger als die Einführung einer App. Weitere Bremsklötze sind die unterschiedlichen Schnittstellen sowie der spürbare Mangel an Digitalspezialisten.  

Aktuelle Kreativität in die Zeit nach Corona überführen 

Auf dem gegossenen Fundament können und sollten die Verantwortlichen auf allen drei Verwaltungsebenen nun gemeinsam aufbauen und verstärkt in „echte“ digitale Verwaltungsleistungen investieren. Gemeint sind Leistungen, die den persönlichen Gang in eine Behörde und einen langen Schriftverkehr auf ein Minimum reduzieren.  

Der geplante Fokus auf Verfahren und Technologien wie elektronische Signaturen, so dass Bürgerinnen und Bürger Anträge online unterschreiben und sich ausweisen können, zeigen in die richtige Richtung. Mehr Teilhabe, sowie eine intensivere Zusammenarbeit mit Bürgern und Unternehmen werden im Ergebnis zu mehr Effizienz in der täglichen Verwaltungsarbeit und im Digitalisierungsprozess führen. 

Die Coronakrise hat viel Kreativität freigesetzt, beispielsweise Remote-Arbeit sowie einen schnelleren Austausch zwischen den föderalen Ebenen. Eine zentrale Aufgabe wird es bis 2022 und darüber hinaus sein, diese Kreativität und das neue Denken dauerhaft zu verankern. Investitionen in ein systematisches Innovationsmanagement ohne Agil-Aktionismus sowie mehr Automatisierung durch den Einsatz neuer Technologien können und werden dabei helfen. 

Die Studie  

Die Daten für den Branchenkompass Public Sector 2020 sind im Februar und März erhoben worden. Erste Auswirkungen der Corona-Pandemie sind in die Studie eingeflossen, zum Beispiel durch die vertiefenden Interviews Ende März mit drei Verwaltungsentscheidern. 

Government @ Sopra Steria 

Sopra Steria berät und begleitet die öffentliche Verwaltung auf dem Weg zu einer digitalen öffentlichen Verwaltung. 

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