Einführung von Solvency II hat begonnen

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14. Mai 2014

Die stufenweise Einführung von Solvency II, das so genannte Phasing-in, gemäß der von der EU-Aufsicht EIOPA veröffentlichten Leitlinien hat begonnen.

Teile der Meldevorschriften sollen 2015 anlaufen. Bis 2016 soll das Regelwerk final in Kraft treten. Großes Kopfzerbrechen bereitet der Versicherungswirtschaft die Risiko- und Solvabilitätsbeurteilung ORSA. Wie die Studie „Branchenkompass 2013 Versicherungen“ von Steria Mummert Consulting belegt, sehen 78 Prozent der Entscheider erhebliche Investitionen in das Risikomanagement auf sich zukommen. 

Bei der Umsetzung von Solvency II legen Versicherer ihr Hauptaugenmerk auf „Own Risk and Solvency Assessment“ (ORSA), denn hier besteht der größte Nachholbedarf. Jede Versicherung ist verpflichtet, ihren individuellen Eigenkapitalbedarf auf Basis unternehmensindividueller Stressszenarien zu ermitteln – und das über den gesamten Planungszeitraum hinweg. Die Ergebnisse sollen in die Unternehmensplanung und -steuerung einfließen. Weil viele Abteilungen in die Umsetzung einbezogen werden, ist der Ressourcenbedarf entsprechend groß.

Der ORSA-Prozess ist sehr komplex, da Eigenkapital und Solvabilitätserfordernis keine unabhängigen Größen sind. Denn eintretende Risiken minimieren das Eigenkapital, so dass für nachfolgende Zeitabschnitte weniger Eigenkapital als Risikopuffer zur Verfügung steht. Daher müssen beide Größen in Einklang gebracht werden. Zudem kann die in die Geschäftsplanung einfließende Risikobetrachtung dazu führen, dass Versicherer bereits getroffene Entscheidungen überdenken müssen, insbesondere bei der Kapitalanlage.

Auch Abteilungen, die am Meldewesen beteiligt sind, haben künftig mehr Arbeit. Die Ergebnisse zu Unternehmensrisiken, zum verfügbaren und benötigten Eigenkapital sowie weitere Kennzahlen müssen die Versicherer im Rahmen des ORSA-Berichtes regelmäßig an die Aufsichtsbehörde Bafin übermitteln. Da viele Versicherer auf einen Starttermin im Jahr 2017 gehofft hatten, müssen sie sich nun beeilen. Bei neun von zehn Versicherern stehen die Gestaltung der Solvency-II-Meldungen und die Bereitstellung der Daten deshalb ganz oben auf der Compliance-Agenda.