Vertriebstechnologie: Wie viele Single-Sign-On-Dienstleister braucht der Markt?

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15. Oktober 2015

Ziel des im Juni vorgestellten GDV-Projekts „MKK - Maklerkommunikation“ ist die Implementierung einer elektronischen Kommunikation zwischen Maklern und Versicherungen über die „Trusted German Insurance Cloud“ (TGIC) des GDV. Die Sicherheit der Kommunikation wird unter anderem über eine Identitätsprüfung der Anwender gewährleistet, die über das sogenannte Single-Sign-On-Verfahren (SSO) erfolgt. Das wirft die Frage auf, ob es sich für Versicherer noch lohnt, in den bisherigen Marktführer für SSO, Easy-Login, zu investieren?  

Eine jahrelange Forderung der Makler war, dass die Versicherer das Maklerverwaltungsprogramm-System des jeweiligen Vermittlerunternehmens als zentralen Arbeitsplatz anerkennen. Die Versicherer haben daher massiv in die Einführung neuer Technologien investiert und sind zunehmend in der Lage, diesen Anforderungen zu entsprechen. Damit ist ein Ende des bewährten, aber fehlerträchtigen und arbeitsintensiven GDV-Datenaustausches in Sicht. Darüber hinaus werden vollständige Prozesse im Maklersystem abbildbar sein. Der Start des neuen Systems ist für das erste Quartal 2016 vorgesehen.

Entscheidend für die Kommunikation ist das Single-Sign-On-Verfahren. Derzeit ist Easy-Login der führende „Identity Provider“, der den Vermittler gegenüber dem Versicherer als zugangs- und auskunftsberechtigt ausweist. Insbesondere die Makler bringen Easy-Login als neutralem Anbieter das notwendige Vertrauen entgegen, welches dem später gestarteten GDV-Maklerportal als Konkurrent gefehlt hat. Unabhängige Vermittler äußern Bedenken gegenüber der Verbandslösung. Für den zukünftigen Erfolg der TGIC spricht allerdings die Tatsache, dass durch die „gut beraten“-Initiative nahezu jeder Makler über eine entsprechende Registrierung für die TGIC verfügt.

Der große Vorteil von Easy-Login ist mit 15.000 angebundenen Teilnehmern die starke Verbreitung innerhalb der Maklerzunft. Verfolgt ein Versicherer beispielsweise das Ziel, BiPRO-genormte Services wie den Dokumentenaustausch kurzfristig kleineren und mittleren Maklerunternehmen zugänglich zu machen, kann mit Easy-Login eine zügige Verbreitung erreicht werden. Während TGIC ausschließlich für die Authentifizierung von Webservices, also die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation angekündigt ist, unterstützt Easy-Login bereits heute die komfortable Funktion zur Anmeldung in die Extranets der Versicherer, die bis zur vollumfänglichen Verbreitung und Nutzbarkeit von Webservices durchaus ihre Daseinsberechtigung in der Maklerkommunikation behalten werden.

Unabhängig von der zukünftigen Rolle als Authentifizierungsservice innerhalb der TGIC wird Easy-Login mittelfristig als Anbieter von SSO-Diensten nicht nur eine tragende Rolle spielen, sondern kann insbesondere durch die anerkannte Position im Maklermarkt dafür sorgen, dass die Vermittler über diesen Weg die TGIC nutzen und eine entsprechende User-Akzeptanz an den Tag legen. Der GDV konnte in der Vergangenheit die Zustimmung unter den freien Vermittlern nicht in ausreichendem Maße etablieren, denn die Vorbehalte der Makler waren zu stark. Schon aus diesem Grund sollte es zu Beginn des neuen digitalen Zeitalters in der Versicherungswirtschaft keine monopolistische Lösung geben. Vielmehr sollten vertrauensbildende Maßnahmen in Richtung der Makler getätigt werden. Auch ist die Investitionssicherheit für die bereits etablierten Schnittstellen bei Drittsystemen wie Maklerverwaltungs- und Vergleichsprogrammen zu bedenken.

Ansprechpartner: Henning Plagemann

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