Der Bürger im Zeitalter seiner digitalen Auswertbarkeit: Wie viel Data Science verträgt der öffentliche Sektor?

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14. September 2016

Ob Google-Suche, Facebook-Like oder Smartphone-Zahlung: Fast jede Online-Aktivität hinterlässt digitale Spuren. Solche Datenspuren sind bei Unternehmen heiß begehrt, weil sie verlässliche Aussagen zum aktuellen und künftigen Bedarf eines jeden Verbrauchers gestatten. Die digitale Vermessung des alltäglichen Konsumverhaltens schafft die Grundlage für maßgeschneiderte Angebote mit dem Ziel, das individuelle Umsatzpotenzial der Kunden so weit wie möglich auszuschöpfen.

Im Zuge der Digitalisierung verfügen auch Ämter und Behörden über immer größere Datenbestände. Während Online-Händler für ihre Analysen oftmals auf Schätzungen und sogenannte Indikatorvariablen angewiesen sind, können Behörden auf deutlich präzisere aber auch sensiblere Individualdaten zurückgreifen – in Bezug auf Einkommen, Bildungsbiografie, Sozialleistungsbezug, Suchtverhalten, Straffälligkeit, Mobilität oder Gesundheitszustand. Die zumindest partielle Zusammenführung und Analyse solcher Daten eröffnet große Chancen zur Verbesserung der Ergebnisqualität und Wirksamkeit staatlichen Handelns. Beispielsweise scheinen ethische Bedenken fehl am Platz, wenn mit Hilfe von Data Analytics Steuerbetrüger zur Rechenschaft gezogen werden und Kindesmissbrauch aufgedeckt wird.

Die anhaltende Debatte um den gläsernen Konsumenten illustriert allerdings, dass in der Gesellschaft erhebliche Unsicherheiten im Hinblick auf den digitalen Persönlichkeitsschutz und dessen ethisches Wertefundament bestehen. Dies zeigt sich unter anderem in der EU-Datenschutz-Grundverordnung, die auch das Recht auf ein „digitales Vergessenwerden“ festschreibt. Verschärft wird das ethische Big-Data-Dilemma noch durch die zunehmend hohe Auflösung personenbezogener Informationen in digitalisierten Behörden – zumal die Datenspeicherung dort nur selten nach dem Freiwilligkeitsprinzip erfolgt.

Vieles spricht dafür, ähnlich wie bei ethischen Problemen in Medizin und Naturwissenschaften auch beim Verwaltungseinsatz von Big Data begleitende Institutionen nach dem Vorbild des Deutschen Ethikrats zu etablieren. Immerhin brachte dieses Gremium mehr Klarheit in den gesellschaftlichen Diskurs über viele offene Fragen, etwa zur Sterbehilfe oder Stammzellenforschung. Im kleineren Rahmen können kommunale Behörden auch teilstandardisierte Bewertungswerkzeuge als Entscheidungshilfe zu Rate ziehen – zum Beispiel bei der operativen Architekturplanung für IT-Projekte, die auch Optionen zu weitergehenden Analytics-Anwendungen eröffnen. Hilfreich können hier Reifegradmodelle sein oder auch ein Vorgehen nach dem Common Assessment Framework. Als bewährtes Tool für das Ethik-Assessment empfiehlt sich hierbei unter anderem die sogenannte Potter Box: Eine klare Strukturierung nach den vier Dimensionen Faktenbasis, Werte, Ethikprinzipien und Loyalitäten erleichtert es, das ethische Problem aus einer gleichsam allgemein-philosophischen Sphäre auf den konkreten Einzelfall herunterzubrechen.

Ergänzend dazu können auch Ethik-Kodizes wie der von CCA einen Grundstock allgemein anerkannter ethischer Prinzipien in den Entscheidungsprozess einbringen. Man muss also nicht immer gleich Konfuzius, Kant oder Aristoteles bemühen.

 

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