Qualitätsmanagement an sächsischen Schulen

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15. Oktober 2015

Die Bildungsqualität erhöhen: Für dieses Ziel hat der Freistaat Sachsen ein von der EU gefördertes Projekt zur Einführung von Qualitätsmanagement an über 200 Schulen durchgeführt. Die begleitende Evaluierung durch Sopra Steria Consulting machte deutlich, dass nicht nur finanzielle und personelle Kapazitäten ausschlaggebend für den Erfolg sind, sondern eine einheitliche, langfristige Strategie vonnöten ist.

Vor dem Hintergrund der gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen an öffentliche Schulen kommt einem systematischen Qualitätsmanagement (QM) besondere Bedeutung zu. Es hält zunehmend Einzug in die Schulorganisation beziehungsweise den Unterrichtsalltag und bietet neue Möglichkeiten zur Gestaltung von schulinternen Prozessen und Lernsituationen. Deshalb hat das Sächsische Staatsministerium für Kultus von 2011 bis 2015 zwei ESF-QM-Projekte zur Implementierung von schulischem Qualitätsmanagement an allgemein- bzw. berufsbildenden Schulen durchgeführt. Diese wurden durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Sächsischen Staatsministerium für Kultus und durch die Sächsische Bildungsagentur, der nachgeordneten Schulaufsichtsbehörde des Freistaates, gesteuert.

Die laufende Evaluierung und Begleitung des Projekts wurde nach einer europaweiten Ausschreibung an Sopra Steria Consulting vergeben. Inhalt des Auftrags war die begleitende wissenschaftliche Evaluierung der beiden Projekte. Diese setzte sowohl an den Prozessen als auch den Ergebnissen in den beteiligten Schulen sowie auf der Gesamtprojektebene an, bewertete in mehreren Zwischenberichten den aktuellen Umsetzungsstand und identifizierte Verbesserungsmöglichkeiten. Untersuchungsgegenstände waren die schulübergreifenden Erfolgsfaktoren und -hemmnisse für die Umsetzung des Gesamtprojekts, die Verankerung des Qualitätsmanagements an den Einzelschulen sowie die Akzeptanz und Zufriedenheit bei den Projektbeteiligten. Basierend auf empirischen Erkenntnissen wurden Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Steuerung des Projekts sowie zur Ergebnisverbesserung und Sicherung der Nachhaltigkeit erarbeitet.

Zentrale Ergebnisse

Als wichtigste Erfolgsfaktoren auf der Ebene der Einzelschulen konnten folgende Aspekte identifiziert und mit entsprechenden Handlungsempfehlungen unterlegt werden:

  • Implementierung eines gemeinsames Zielbildes zur Schul- und Qualitätsentwicklung in den Kollegien und eine darauf aufbauende klare Zielpriorisierung bei der Maßnahmenplanung
  • die Einbindung und aktive Mitwirkung der Kollegien in die Qualitätsmanagement-Vorhaben
  • ein professionelles Projekt- und Veränderungsmanagement durch die Q-Teams, die sich diese Kompetenzen im Rahmen von Fortbildungen und Erfahrungen erarbeiten mussten
  • eine aktive Personalführung durch die Schulleitungen mit klar kommunizierten Verantwortlichkeiten
  • der effiziente Einsatz der verfügbaren Personalressourcen im Sinne einer Konzentration auf die priorisierten Aufgaben und die bestmögliche Entlastung von administrativen Tätigkeiten

Für das Gesamtprojekt waren nach den Analysen folgende Erfolgsfaktoren entscheidend:

  • eine aktive Steuerung und Unterstützung der Projektschulen durch die Projektgeschäftsstelle
  • ein klares strategisches Zielbild zur Nachhaltigkeit und zur Überführung des Qualitätsmanagements in den „Regelbetrieb“
  • die Einrichtung eines zentralen Bildungsmonitorings, das sowohl Handlungsfelder als auch Erfolge des Qualitätsmanagements quantitativ darstellt
  • eine zentrale Koordination von Netzwerkarbeit und Wissensmanagement zwischen den Projektschulen und perspektivisch auch im gesamten Schulwesen

Gerade die zuletzt genannten Aspekte sind für andere Bundesländer von großem Interesse, die dem sächsischen Beispiel folgen und dem schulischem Qualitätsmanagement einen Schub geben wollen. Denn eine Weiterentwicklung des Prozess- und Qualitätsmanagements an den Schulen ist mit signifikanten Verbesserungspotenzialen verbunden und im Zuge von Budgetrestriktionen und pädagogischem Fachkräftemangel sowohl aus Sicht der verantwortlichen Länder und Schulträger als auch der Einzelschulen geboten. Dabei reicht es nicht aus, den Schulen finanzielle bzw. personelle Ressourcen für ein dezentrales Qualitätsmanagement zur Verfügung zu stellen, sondern es muss zentrale und personell angemessene Unterstützungsstrukturen und eine langfristige Strategie für einen Steuerungskreislauf geben. Denn eine weitere wichtige Erkenntnis aus dem Projekt lautete, dass gerade die Vereinfachung administrativer Abläufe eine Erhöhung der Qualität pädagogischer Prozesse und des Qualitätsmanagements ermöglichen kann.

Ansprechpartner: Hinrich Herkewitz

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