„In eine Bank zu gehen, einen Cappuccino zu trinken und nebenbei noch Investmentinformationen zu konsumieren, mag in der Theorie eine nette Idee sein.“



Nachgefragt bei Martin Stolberg, Partner Banking bei Sopra Steria, zum Thema Wettbewerbsvorteile und Banken.

 

Martin, welche großen Themen spielen im Wettbewerb der Banken eine Rolle?

Die Wettbewerbssituation verschärft sich durch neue Akteure innerhalb und außerhalb der Ban­kenbranche. Die Kosten müssen sinken und der technologische Wandel erzwingt Veränderungen. Überdies haben viele Interessengruppen geänderte Erwartungen an die Banken. Generell leidet die Wettbewerbsfähigkeit der Banken, weil zu viel Komplexität mitgeschleppt wird. Banken müssen lernen, bestimmte Dinge konsequent nicht mehr zu machen, ihre Kundenorientierung zu verstärken und Bereiche zu fokussieren – beispielsweise das Firmenkundengeschäft oder einzelne Produktsegmente. Wer solche Entscheidungen schon getroffen hat, liegt jetzt etwas weiter vorn.

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Manche Banken fokussieren sich zwar, aber nicht sehr erfolgreich. Was machen sie falsch?

Eine neue strategische Ausrichtung gelingt in der Regel nicht ohne Fehlversuche. Da gibt es zum Beispiel diese unselige Idee, Filialen auszubauen zum Lebensmittelpunkt der Kunden. In eine Bank zu gehen, einen Cappuccino zu trinken und nebenbei noch Investmentinformationen zu konsumieren, mag in der Theorie eine nette Idee sein. Es hat aber noch nirgendwo so richtig funktioniert. Oder auch die Idee einer Organisation mit zwei Geschwindigkeiten – mit einem innovativen Teil und einem traditionellen Teil – hat im Zusammenspiel noch nirgendwo funktioniert. Es bringt mehr, neue Ansätze zunächst komplett und konsequent abzukapseln. Man muss neuartige Banking-Ansätze außerhalb der bisherigen Bankenprozesse agieren lassen und ihnen einige Jahre Zeit geben. Ein Bei­spiel dafür ist unter anderem die Online-Bank Marcus von Goldman Sachs.

Können sich die deutschen Banken überhaupt erlauben, mal etwas auszuprobieren?

Aus meiner Sicht: nein! Es gibt Chancen, aber es wird nicht so sein, dass man jetzt eine Uni­versalbanken-Plattform aus dem Boden stampfen kann. Dafür fehlt der Spielraum, das aus dem Cashflow zu finanzieren. Deswegen plädiere ich für den Perspektivwechsel, also mit anderen zusammenzuarbeiten. Es gibt viel Geld im Markt, das investiert werden möchte. Warum also alles selbst finanzieren? Man kann einen Investor reinnehmen oder einen starken Partner. Es gibt sehr gut kapitalisierte Unternehmen in Deutschland oder zumindest Unternehmen mit einer sehr starken Marke. Da würde es sich für eine Bank lohnen, mit denen zusammen etwas Neues aufzubauen. Auch da ist entscheidend für den Weg nach vorne: heraustreten aus dem eigenen Ökosystem, Horizont erweitern, Perspektive wechseln.

Vielen Dank für das Gespräch, Martin!

Das vollständige Interview mit Martin Stolberg, unter anderem zur Zukunft der Universalbank als Geschäftsmodell und zur Rolle von Banken in der Plattformökonomie, lesen Sie in unserem Handelsblatt-Report What’s Your Edge? Mit Wettbewerbsvorteilen punkten. Den 39-seitigen Report mit allen Erkenntnissen aus Tiefeninterviews mit Entscheidern sowie weiteren Experteninterviews können Sie sich nach der Registrierung kostenlos herunterladen.

 

Martin Stolberg, Business Unit Director Banking

Martin Stolberg ist Partner Banking bei Sopra Steria

 

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