„Kein Institut kann es sich erlauben, Fördermittelanträge lange liegen zu lassen“



Nachgefragt bei Ralf Weber, Kundenverantwortlicher der regionalen Landesförderinstitute bei Sopra Steria über die neue Kundenportallösung von Sopra Steria und b+m Informatik.

 

Herr Weber, die echte Antragsflut bei Fördermaßnahmen aufgrund der Corona-Pandemie steht den Banken noch bevor. Wann müssen Institute mit einem stärkeren Antragsvolumen rechnen?

Der Umfang der Anträge auf Liquiditätskredite und weitere Fördermaßnahmen wird mit zunehmender Dauer der Coronakrise steil ansteigen, weil die Reserven der Unternehmen schrumpfen – das bestätigt jeder Bankentscheider. Banken und Sparkassen stellt das mittelfristig vor eine harte Bewährungsprobe. Sie werden als stark frequentierte „Durchlaufstelle“ genutzt, da Fördermittel immer mehr zum Standardprodukt der Krise werden. Die Förderbanken sind ebenfalls betroffen, weil sie die Last der Hausbanken abfedern müssen, damit sich Auszahlungen nicht verzögern.

Nicht zu vergessen: On top kommt noch das „normale“ Fördergeschäft, zum Beispiel für Wohnungsbauer und für Existenzgründer. Viele Kunden im wohnwirtschaftlichen und gewerblichen Bereich benötigen Unterstützung bei Förderkrediten. Die Hausbanken sind meist die erste Anlaufstelle.

Was können Hausbanken tun, um die Kosten für zusätzliche Kreditberater aufzufangen und um nicht zum Flaschenhals bei der Auszahlung der Soforthilfen zu werden?

Der interne Ressourcenaufwand zur Bearbeitung von Fördermittelkrediten übersteigt deutlich den Aufwand, der für eine Eigenmittelfinanzierung aufgebracht werden muss. Werden hier keine standardisierten Prozesse genutzt, ist ein Kraftakt für Markt und Marktfolge zu erwarten. Da Hilfsgelder nicht lange auf sich warten lassen dürfen, ist die schnelle Bearbeitung für die vielen in Not geratenen Bürger und Unternehmen von großer Bedeutung. Keine Bank kann es sich erlauben, Fördermittelanträge lange liegen zu lassen.

Deshalb kann der Weg nur lauten, Anträge effizienter zu bearbeiten. Das gilt sowohl für die Corona-Soforthilfen als auch die üblichen Förderkredite. Die Institute, die beispielsweise bei der Finanzierung von Wohnungsbauprojekten und anderen förderungsfähigen Initiativen auf digitale und Prozesse setzen, haben nun mehr Ressourcen frei für unbürokratische Hilfen bei Corona-Krediten.

Im Rahmen der Beantragung von Fördermitteln ist es somit hilfreich, wenn die Prozesse vom Antrag bis zur Auszahlung digitalisiert sind. Digitale Abläufe ermöglichen unter anderem, dass andere Parteien, die bei an der Bewilligung von Fördermaßnahmen mitreden, in den Prozess eingebunden werden können. Das verkürzt die Wartezeit für die Antragsteller erheblich.

Sopra Steria und b+m Informatik unterstützen Institute mit einer neuen Kundenportallösung. Wie profitieren die Antragsteller?

Die Antragsteller haben andere Sorgen als das Ausfüllen von Formularen. Die Usability für den Nutzer stand deshalb bei der Entwicklung im Fokus. UX-/UI-Designer haben bei der Portallösung viel Zeit, Know-how und Tests investiert, damit sich Antragsteller möglichst schnell durch den Antrag durchklicken können und im Portal zurechtfinden.

Nach Erfassung hat der Antragsteller die Möglichkeit, erforderliche Dokumente hochzuladen und dem Finanzierungspartner zur Verfügung stellen. Das sind beispielsweise Legitimationspapiere oder bei Immobilienfinanzierungen auch Grundrisse oder Wertgutachten. Ein umständliches Versenden per Post entfällt ersatzlos. Das oft lästige Nachreichen von Unterlagen während des Prüfprozesses ist ebenfalls mittels weniger Klicks über das Portal erledigt. Über eine Chatfunktion lassen sich Rückfragen schnell klären, und ein zentraler Postkorb sorgt für die nötige Übersicht.

Wichtig war uns zudem, dass sich die Benutzerfreundlichkeit auf den gesamten Kreditprozess erstreckt und die Berater in den Banken ebenfalls nur so viel Zeit wie nötig mit dem Prüfen des Antrags verbringen. Das verkürzt die Wartezeit für den Kunden zusätzlich.

Und wie profitieren die Haus- und Förderbanken?

Das technisch Herausragende ist, dass wir auf einen großen Fundus an Standardfunktionen und Standardschnittstellen zurückgreifen, die wir individuell nach Bedürfnissen der Institute zusammenstellen können. So lassen sich neue Förderprodukte schnell im gesamten Bankenmarkt ausrollen.

Ein weiterer echter Mehrwert ist die Einbindung von weiteren im Kreditentscheidungsprozess beteiligten Personen über Standardschnittstellen. Das sind bei wohnungswirtschaftlichen Vorhaben beispielsweise Energieberater, Sachverständige und Wertgutachter.

Die Hausbanken und die darlehensgewährenden Förderinstitute profitieren insgesamt in Form beschleunigter Abläufe und eines geringeren Aufwands pro Antrag. Ein Ad-hoc-Anstieg bei Anträgen wie durch die Corona-Pandemie lässt sich deutlich einfacher verkraften als mit manuellen Kreditprozessen, die in vielen Instituten derzeit noch vorherrschen.

 

Herr Weber, vielen Dank für das Gespräch!

 



Ralf Weber
ist Senior Manager bei Sopra Steria. Er ist im Bereich Service Offering Lead Credit tätig und ist Experte für Förderbanken und die neue Kundenportallösung.