Industrielle Arbeitswelt im Wandel – „Made in Germany“ auch



Wie gelingt es dem verarbeitenden Gewerbe Deutschlands, trotz der demografischen Entwicklung seinen Fachkräftebedarf zu decken? Nur durch eine kluge Digitalisierungsstrategie, die der neuen Rolle des Menschen in einer weitgehend automatisierten Produktion Rechnung trägt. Diesen Schluss legt eine aktuelle Untersuchung von Sopra Steria zum Wandel unserer Arbeitswelt nahe. Demnach hat die deutsche Industrie größtenteils bereits erkannt, dass die digitale Transformation nicht nur den Maschinen- und Anlagenpark mit traditionellen IT-Systemen vernetzt, sondern auch die Kommunikation und Zusammenarbeitet der Mitarbeiter untereinander sowie die mit Kunden und Partnern grundlegend verändert.

Maximale Flexibilität, die sich primär aber an den Bedürfnissen der Arbeitnehmer orientiert und ihnen gleichzeitig mehr Raum zur persönlichen Entfaltung ihrer Fähigkeiten bietet – so ließe sich die Quintessenz aus dem Weißbuch „Arbeiten 4.0“ zusammenfassen, das Bundesministerin Andrea Nahles Ende November in Berlin präsentierte. Wie die aktuelle Potenzialanalyse „Arbeitswelt der Zukunft“ von Sopra Steria zeigt, sind sich viele Fertigungs-unternehmen in Deutschland der im Weißbuch angesprochenen Herausforderung bewusst, dass sie den Produktionsfaktor Mensch in ihrer betrieblichen Praxis quasi neu definieren müssen: „Die digitale Transformation ermöglicht dank vertikaler Integration von Geschäfts- und Produktionsprozessen einerseits eine bislang nicht gekannte Fertigungsflexibilität, verlangt andererseits aber auch eine entsprechend flexible Arbeitsorganisation sowie neuartige Skills in der Belegschaft“, sagt Andreas Schmidt, Innovation Director bei Sopra Steria. Und weiter: „Wer als Arbeitgeber für die Digital-Native-Generation attraktiv sein will, der sollte deren gewandelte Wertevorstellungen und die daraus resultierenden Bedürfnisse rechtzeitig in seiner Digitalisierungsstrategie verankern.“

Fast 60 Prozent aller Entscheider aus der verarbeitenden Industrie planen laut Studie, in Zukunft mehr flexible Arbeitszeitmodelle anzubieten. 41 Prozent wollen ihre Mitarbeiter aktiv dabei unterstützen, ein individuell passendes Modell zu finden, um so die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen und die Mitarbeiterbindung dauerhaft zu festigen. In der Umfrage bekannten sich 47 Prozent der Teilnehmer aus diesem Segment zu der Notwendigkeit, das kommunikationstechnische Fundament in ihrem Unternehmen zu erneuern. Jeder vierte von ihnen weiß, dass es gleichzeitig gilt, starre Hierarchien aufzubrechen und die Organisation zu dezentralisieren. All diese Werte liegen signifikant über dem Durchschnitt der in der Studie berücksichtigten Wirtschaftszweige. Weit weniger Defizite als der Branchendurchschnitt sehen Industriebetriebe mit lediglich sechs Prozent im Bereich der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Zum Vergleich: Für 29 Prozent der Befragten aus der Finanzwirtschaft und sogar 36 Prozent aus der Telekommunikationsbranche ist die unternehmensübergreifende Kooperation eine besondere Herausforderung. Diese Diskrepanz ist nicht verwunderlich, da in der industriellen Fertigung die Integration entlang von Lieferketten besonders weit fortgeschritten ist. „Das produzierende Gewerbe in Deutschland hat nicht zuletzt auch dank der engagierten Unterstützung von Politik und Verbänden etwa beim Thema Industrie 4.0 gute Ausgangsbedingungen, um seine traditionellen Stärken auch im Wettbewerb der digitalen Ära erfolgreich auszuspielen. Vorausgesetzt, es gelingt den Unternehmen, durch eine moderne Arbeitsorganisation und attraktive Weiterbildungsangebote die notwendige Strahlkraft zu entfalten, um genügend junge Talente für eine Karriere in dieser volkswirtschaftlich so wichtigen Branche zu begeistern“, so Andreas Schmidt.

Über die Studie:
Im Frühjahr 2016 ließ Sopra Steria insgesamt 220 Geschäftsführer, Vorstände und Führungskräfte aus Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern zu ihrer Sichtweise und ihren Plänen in Bezug auf den Wandel der Arbeitswelt befragen. Die Erhebung fand per Online-Panel statt und bezog Unternehmen unterschiedlicher Branchen ein – darunter Finanzdienstleister, Energieversorger, Industrieunternehmen und Behörden. Explizit ausgeschlossen waren IT-Dienstleister und Beratungsunternehmen.

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